Fünf Interviews vom 17.8.2005 während des Treffens "Don Bosco weltweit" in Köln-Mülheim

1. Nguyen Xuan Thanh (22), Vietnamese aus Kanada

Nguyen Xuan ThanhDu bist mit einer vietnamesischen Gruppe aus Kanada gekommen. Bist du in Kanada geboren oder hast du Vietnam noch kennengelernt?

Vor 12 Jahren hat mein Vater unsere Familie nach Kanada geholt; er selbst war schon vorher dorthin gekommen. So bin ich noch in Vietnam zur Schule gegangen, dann aber in Kanada. In Kanada gehöre ich zu einer Gruppe der Eucharistischen Bewegung; sie nennt sich (Nguyen zeigt auf zwei vietnamesische Wörter auf seiner Baseballmütze) "Savio-Gruppe". Das ist so etwas wie die Pfadfinder; aber wir lernen mehr über Religion und über unseren Glauben.

Kannst du mir nun kurz sagen, warum ihr hier zum Weltjugendtag gekommen seid?

Zuerst einfach, weil wir dem Ruf des Papstes folgen. Und dann, um andere Jugendliche und ihren Glauben zu erleben, und um ihnen unseren eigenen Glauben zu zeigen.

Für den Glauben ist es wichtig, ihn mit anderen zu leben. Zum Beispiel die letzte Woche, bei den Tagen der Begegnung: Da waren wir in Belgien, in einem Dorf bei Lüttich. Am Tag des sozialen Engagements haben wir uns in kleine Gruppen aufgeteilt und dann an verschiedenen Stellen, zum Beispiel im Krankenhaus, kranken oder alten Menschen geholfen. Das war eine großartige Erfahrung, auch weil wir das Erlebte dann am Abend miteinander geteilt haben.

Was nimmst du vom Weltjugendtag mit für deinen Glauben?

Dass ich so viel Gemeinschaft im Glauben mit anderen erleben kann. Und dass ich dadurch hier tausend Freunde gefunden habe, mit denen ich, auch wenn sie aus der ganzen Welt kommen, über E-Mail in Kontakt bleiben kann.

Ich habe erfahren, dass die Menschen sehr offen sind, dass sie ihr Herz öffnen und auch offen für die Begegnung mit anderen Kulturen sind.

Und was nimmst du für deine Gruppe mit nach Hause?

Freundschaften!

Und es war für mich eine außergewöhnliche Erfahrung, dass so viele Menschen so friedvoll miteinander umgehen. Selbst in großen Menschenmassen gibt es keine Gewalt, und man hat Achtung vor dem Mitmenschen. Dass dies möglich ist, das möchte ich mitnehmen, und davon können viele Menschen etwas lernen.

2. Melinda Hoskins (22) und Shelby Herring (20) aus Sydney, Australien

Melinda HoskinsWarum seid ihr zum Weltjugendtag gekommen?

Shelby: Wir möchten zusammen mit anderen Menschen Christus erfahren. Im Alltag sind wir mit diesem Anliegen ein bisschen alleine; hier können wir unsere Begeisterung mit anderen teilen.

Wenn ihr das nun hier erlebt - was nehmt ihr davon mit, was bewirkt das für euren Alltag daheim in Sydney?

Shelby: Wir möchten unsere Erfahrungen mit denen daheim teilen.

Melinda: Ja, das ist für uns wichtig, weil wir gemeinsam eine Jugendgruppe leiten. Und wir organisieren zweimal im Jahr ein großes Lager für Kinder und Jugendliche aus unserer Gemeinde. Auch dort tauschen wir uns über unseren Glauben aus. Was ich hier erlebe, kann ich dort weitergeben.

Shelby HerringShelby: Sie müssen wissen, dass es für mich neu ist, katholisch zu sein. Ich bin erst vor kurzem gefirmt worden. Ich lerne jetzt so viele neu Dinge, und vieles bekommt eine neue Bedeutung.

Melinda: Man lernt (durch diese Begegnungen hier) auch mehr zu schätzen, was man (am Glauben, am Katholischsein) schon hat.

Shelby: Ja, man wird sensibler für die Mitmenschen.

Nun seid ihr hier nicht zu irgendeinem Treffen, sondern zu dem der Don-Bosco-Familie gekommen. Wie kommt das?

Melinda: Seid vielen Jahren hat unsere Pfarrei einen Salesianer als Pfarrer. Er feiert jede Woche eine Jugendmesse mit uns, die wir gemeinsam vorbereiten. Es gibt viel Jugendarbeit, mit einer richtigen Gruppenstruktur, wo die älteren Jugendlichen als Gruppenleiter die Gruppen von Jüngeren betreuen.

Shelby: Unsere Pfarrei steht dabei voll hinter uns. Sie haben jetzt auch extra ein Sammlung gemacht, um unserer Gruppe die Fahrt hierhin zu ermöglichen, und dafür 12.000 (australische) Dollars, also ungefähr 7.500 Euro zusammenbekommen. Dafür sind wir sehr dankbar.

3. Markus Hohmann (16), Chemnitz

Markus HohmannWarum bist du hier zum Weltjugendtag gekommen?

Aus Neugier. Ich habe viel vom Weltjugendtag gehört, und ich möchte Leute aus anderen Ländern kennen lernen. Und am Sonntag wollen wir auch auf dem Marienfeld sein, um den Papst zu treffen.

Was, meinst du, wirst du vom Weltjugendtag mit nach Hause nehmen?

Eine ganze Menge Erlebnisse. Vieles, was wir hier erleben, zum Beispiel in den Gottesdiensten, können wir dann auch zu Hause machen.

Kann es sein, dass sich durch diese Erfahrungen dann auch an der Art, wie du deinen Glauben im Alltag daheim lebst, etwas ändert?

Vielleicht. Aber es ist jetzt, am zweiten Tag, noch etwas früh. Ich will doch lieber abwarten, was wir bis zum Ende der Woche noch alles erleben. Ich bin aber in jedem Fall offen für viele interessante Begegnungen.

Warum bist du gerade hier bei "Don Bosco weltweit"?

Wir sind in einer Gruppe mit Pater Krottenthaler gekommen. Und ich selbst aber auch einen Bezug zu Don Bosco, weil unsere Pfarrgemeinde St. Antonius seit 1997 Salesianer als Pfarrer hat und ich mit 14 Jahren ein Praktikum im Don-Bosco-Haus gemacht habe.

Wenn du jetzt ganz kurz zusammenfassen sollst, was das Besondere an Don Bosco und seiner Bewegung ist, wie würdest du das sagen?

Da fällt mir zuerst sein Spruch ein: "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen." Und sein Engagement für die Jugendlichen.

4. Sonu Steven Dey (18) und Vijay Joseph Tigga (19), aus Kolkata (Kalkutta), Indien

Sonu Steven DeyWarum seid ihr zum Weltjugendtag gekommen?

Sonu: Erstens um den Papst zu sehen und zweitens um viele Freunde zu bekommen.

Vijay: Um den Papst zu sehen und viele Leute von Don Bosco kennen zu lernen.

Wieso ist es für euch wichtig, den Papst zu sehen?

Vijay: Er ist ein bedeutender religiöser Führer, das Oberhaupt der ganzen katholischen Kirche, und wirklich eine wichtige Persönlichkeit unserer Zeit.

Ihr seid zum ersten Mal in Europa, in Deutschland. Was ist euch da als Unterschied zu eurer Heimat aufgefallen?

Vijay: Die Menschen sind hier sehr ruhig und gelassen.

Sonu: Ja, sehr still. Und dabei sehr offen und großzügig.

Vijay: Hier, auf diesem Treffen, geht aber sehr lebendig zu. Da fühle ich mich richtig zu Hause.

Was nehmt ihr von hier mit nach Hause?

Sonu: Die Botschaft des Papstes zum Weltjugendtag. Die werde ich mitbringen und sie anderen weitergeben.

Vijay Joseph TiggaVijay: Ich möchte die schönen Erfahrungen der Begegnungen hier daheim mit anderen teilen.

Wie kamt ihr mit Don Bosco in Kontakt?

Vijay: Ein Wohnheim für Straßenkinder, das die Salesianer betreiben, hat uns aufgenommen.

Das war bei euch beiden so?

Sonu: Ja. Wir haben auf der Straße gelebt.

Vijay: Du gerätst schon leicht auf die Straße, zum Beispiel wenn dein Vater Alkoholiker ist. Wir haben dann alle Hilfe von den Salesianern bekommen, ein Zuhause und Ausbildung.

Wenn ihr kurz zusammenfassen sollt, was "Don Bosco" für euch bedeutet, wie würdet ihr das tun?

Vijay (mit Nachdruck): Er holte die Kinder von der Straße. Und das tat er ohne Druck.

Sonu: Ja, er lädt sie ein, da gibt es keinen Zwang.

Vijay: Das ist anders als bei den staatlichen Heimen. Die möchten vor allem die Straßen frei von Straßenkindern haben und stecken sie dann in geschlossene Heime.

Sonu: Ich war bei einer Beratungsstelle der Salesianer. Die sagen dir: "Das bieten wir dir an: ein Zuhause, eine Ausbildung und damit eine Zukunft. Wir denken, dass dieser Weg für dich das Beste ist. Du kannst auch auf der Straße bleiben; aber dann wirst du wirklich dort bleiben, und eine Zukunft hast du dort nicht." So konnte ich mich wirklich ohne Druck entscheiden.

Was werdet ihr von euren Erfahrungen hier mit nach Hause nehmen?

Sonu: Das ist jetzt eigentlich noch zu früh für eine Antwort. Wir haben die meiste Zeit des Weltjugendtags ja noch vor uns.

5. Amy Yam (22) aus Hongkong (Heunggong), China

Amy YamWarum bist du zum Weltjugendtag gekommen?

Ich möchte meinen Glauben bereichern, dem Papst begegnen und mit anderen Jugendlichen beten. Ich will mit ihnen unsere gemeinsame religiöse Überzeugung, unseren Glauben an Jesus leben.

Du bist mit 85 anderen Jugendlichen aus Hongkong gekommen. Eure Gruppe wird vom Salesianerpater Thomas Kemmler begleitet. Was ist deine Beziehung zu Don Bosco?

Auf unserer Reise nach Köln waren wir in Turin und haben dort die Orte gesehen, wo Don Bosco gewirkt hat. Ich bin selbst auf einer Schule der Salesianer Don Boscos, möchte später Lehrerin werden und den Geist Don Boscos verwirklichen, wenn ich junge Menschen erziehe.

Es ist das erste Mal, dass du in Deutschland bist. Was ist dir hier aufgefallen?

Dass die Deutschen sehr gelassen sind. Sie haben nicht diese Leidenschaft der Italiener, sind aber warmherzig und freundlich. Und das deutsche Essen schmeckt mir sehr gut!

Wenn du Lehrerin im Geist Don Boscos sein willst: Was ist für dich das Wesentliche an diesem Geist Don Boscos?

Liebe und Geduld zu lehren, die aus der Tiefe des Herzens kommt.

(Die Interviews führte Hatto von Hatzfeld für das DON BOSCO MAGAZIN)